Landkreis Neuwied im Wandel der Zeit

 

Wer als Fremder mit dem Auto oder der Bahn durch das Rheintal in den Landkreis Neuwied gelangt, der wird sicherlich von den grünen, vielfach mit Weinbergen versehenen Hängen auf der Ostseite, der sonnigen Seite des Rheingrabens beeindruckt sein. Ein noch schöneres Bild bietet sich dem Schiffsreisenden, hat er doch die Gelegenheit, die herrlichen Uferansichten der Rhein- und Weinorte im Landkreis Neuwied kennen zu lernen.

 

Doch oberhalb der steilen Hänge, da wo die Blicke aus dem Rheintal zunächst nur Horizont erspähen, dort spielt der Landkreis Neuwied weitere landschaftliche Trümpfe aus: Hier beginnt der weit in benachbarte Bundesländer reichende vielfach besungene Westerwald. Ob der Wind - wie in dem berühmten Lied - wirklich so kalt pfeift und ob es hier oben immer einen Pullover kühler ist als unten, mag dahingestellt bleiben. Deutlich wird jedoch die grobe Zweigliederung der Landschaft: Oben, das ist der Westerwald. Unten, das ist der romantische Mittelrhein. Oben Wanderland, unten Rheinland. Oben, das sind Wälder, Berge und Täler, beschaulich dahinfliesende Bäche und eine sich gemütlich dahinschlängelnde Wied. Unten, das ist der viel besungene Rheinstrom. Alles zusammen heißt „Naturpark- Rhein-Westerwald“ und liegt rechtsrheinisch, grob betrachtet zwischen Drachenfels und Deutschem Eck. Der Landkreis Neuwied ist der einzige im Westerwald liegende Landkreis, der auch mit der weltweit bekannten Naturschönheit „Rhein“ aufwarten kann. Wegen der landschaftlichen Schönheit und dem hohen Waldanteil, gerade an Laubwäldern, ist fast die ganze Kreisfläche (5/6) als Naturpark Rhein-Westerwald ausgewiesen. Durch den tiefen Einschnitt des Mittelrheines in der Mittelgebirgslandschaft ist nicht nur ein besonders schöner Abschnitt des Rheintales entstanden, sondern die dem Rhein zufließenden Bäche und Flüsse, insbesondere Wied und Saynbach, haben die Hochfläche des Westerwaldes stark - durchaus zum Vorteil der Landschaft gegliedert.

 

Die Stadt Neuwied mit ihren derzeit rund 66.000 Einwohnern ist Sitz der Kreisverwaltung des gleichnamigen Landkreises, der sich vom Neuwieder Becken bis vor  die Tore Bonns erstreckt und über die Autobahn A3 von Frankfurt nach Köln ein gutes Stück in den Westerwald reicht. Die Kreisstadt Neuwied ist als barocke Stadtgründung zwar ein recht junges Gemeinwesen, kann aber dennoch auf eine lange Geschichte der Besiedlung zurückblicken. Unter den später weggeräumten Bimsschichten des riesigen Ausbruches des Maria-Laach-Vulkanes, heute Laacher See, vor 12.000 Jahren wurden in der Umgebung Neuwieds zahlreiche steinzeitliche Fundorte entdeckt.

 

Hierüber sowie über viele andere europäische Fundorte wird in einer Außenstelle des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Neuwied-Monrepos wissenschaftlich gearbeitet.

 

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus der ganzen Welt treffen sich in dem hoch über dem Rheintal stehenden ehemaligen Prinzessinen-Haus des nicht mehr existierenden Schlosses Monrepos. Die Präsentation der Forschungsergebnisse im Museum für die Archäologie des Eiszeitalters bietet einen faszinierenden Einblick in die älteste Geschichte des Menschen. Sehr viel später, zur Römerzeit, lagen im Bereich der Stadt Neuwied wichtige römische Kastelle zur Sicherung des über 28 km durch den Kreis sich erstreckenden Limes. Obwohl auch Julius Cäsar anlässlich von zwei Brückenschlägen in den Jahren 55 und 53 v. Chr. seine Füße auf Neuwieder Boden gesetzt haben muss, blieb die Römerzeit - anders als etwa in Köln oder Trier - ohne bleibenden Einfluss.

 

Hierüber und über Kunst und Kultur der folgenden Jahrhunderte findet der Besucher sehenswertes im Roentgen-Museum Neuwied (Kreismuseum) des Landkreises Neuwied

 

Von den wechselnden Herrschaften in sehr viel späteren Jahrhunderten, denen insbesondere die Bistümer Trier und Köln gehörten, haben die Grafen von Wied auf Dauer die größte Bedeutung erlangt. Einer dieser Grafen, Friedrich III., gründete 1653 die Stadt Neuwied. Mit kräftiger Werbung und dem Versprechen auf Glaubensfreiheit zog er zahlreiche Glaubensflüchtlinge in die Stadt, unter anderen die Herrnhuter, Mennoniten, Juden und Hugenotten, die zu einem raschen Aufblühen beitrugen. Dennoch war der Weg zu dem heutigen Industrie- und Gewerbestandort Landkreis Neuwied noch weit. Bei der Errichtung des Großherzogtums Niederhein, der späteren Rheinprovinz, durch Preußen aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde 1816 der Landkreis Neuwied gebildet und dem Regierungsbezirk Koblenz zugeordnet. Im Jahre 1822 wurden die Kreise Linz/Rhein und die Bürgermeistereien Engers/Rhein dem Landkreis Neuwied angeschlossen.

 

Haupterwerbszweig ist eine leistungsfähige, über wiegend mittelständisch strukturierte Industrie, die insbesondere Betriebe der Eisenverarbeitung, des Stahl- und Maschinenbaues, der Papier und Verbandstoff-Fabrikation sowie der Baustoffherstellung umfasst. Die Bimsschichten aus dem Maria Laacher Vulkan bildeten die Grundlage für eine weit verbreitete Steinindustrie, die maßgeblich am Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland nach dem 2. Weltkrieg beteiligt war. Neben dem Bims gehörten Basalt und Ton zu den bedeutendsten Bodenschätzen.

 

Der Landkreis besteht aus der großen kreisangehörigen Stadt Neuwied und den Verbandsgemeinden Asbach (mit 4 Ortsgemeinden), Bad Hönningen (4 Ortsgemeinden), Dierdorf (1 Stadt, 5 Ortsgemeinden), Linz am Rhein (1 Stadt, 6 Ortsgemeinden), Puderbach (16 Ortsgemeinden), Rengsdorf (14 Ortsgemeinden), Unkel (1 Stadt, 3 Ortsgemeinden) und Waldbreitbach (6 Ortsgemeinden).

 

Der Landkreis Neuwied verfügt über ein außergewöhnlich gutes Bildungsangebot im Bereich der allgemeinbildenden Schulen (Grundschule, Hauptschule, Regionale Schule, Duale Oberschule, Realschule, Gymnasium), der berufsbildenden Schulen sowie der Sonderschulen. Besonders hervorzuheben ist, dass im Landkreis Neuwied alle Formen von Sonderschulen für die Beschulung behinderter Kinder vorhanden sind.

 

Mit einer Bevölkerung von 185.304  Einwohnern (Stand: 31.12.2006) ist Neuwied der viertgrößte Landkreis in Rheinland-Pfalz. Hinsichtlich der Bevölkerungsdichte steht er mit 296 Einwohnern pro qkm an dritter Stelle. Von 1939 nahm die Bevölkerung um rund 70.000 Personen oder um mehr als 50% zu.